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DEL2-Aufstieg nach Overtime-Krimi

Drama in Memmingen: Indians steigen auf, Deggendorf scheitert nach 4:2-Führung in der Overtime

Der ECDC Memmingen hat den sportlichen Aufstieg in die DEL2 perfekt gemacht. Die Indians gewannen das sechste Finale der Best-of-7-Serie gegen den Deggendorfer SC mit 6:5 nach Verlängerung und holten damit den entscheidenden vierten Sieg. In der ausverkauften Alpha Cooling Arena (3700 Zuschauer) kippte eine lange Zeit aussichtsreiche Partie für Deggendorf – trotz einer 4:2-Führung nach 31 Minuten.

Aufstieg in die DEL2

Der Erfolg bedeutet für Memmingen den Sprung aus der Oberliga in die DEL2. In der Praxis ist damit nicht nur der sportliche Triumph gemeint: Der Aufstieg ist regelmäßig auch an das Erfüllen der DEL2-Lizenzkriterien gekoppelt – wirtschaftliche und organisatorische Vorgaben, die ein Klub neben dem sportlichen Ergebnis nachweisen muss.

Deggendorf bleibt in der Oberliga Süd

Deggendorf dagegen bleibt nach der 5:6-Niederlage nach Verlängerung in der Oberliga Süd. Besonders schmerzhaft: Ein Sieg hätte ein siebtes Finalspiel am Sonntag in Deggendorf erzwungen.

Deggendorf nutzt seine starke Phase nicht

Die Partie begann so wild, wie es ein Endspiel um den Aufstieg erwarten ließ. Brett Humberstone brachte den DSC in der 3. Minute in Führung, doch Memmingen antwortete sofort: Linus Svedlund glich eine Minute später aus. Als Sam Verelst die Indians im ersten Powerplay in Front schoss (11.), schien Memmingen kurzzeitig die Kontrolle zu übernehmen – bis Deggendorf die Schlussphase des ersten Drittels nutzte. Niklas Heinzinger und Luke Weilandt drehten die Partie in der 19. Minute innerhalb von 54 Sekunden zum 3:2 aus Deggendorfer Sicht.

Auch im zweiten Abschnitt blieb der DSC zunächst in einer komfortablen Lage. Marco Baßler stellte in der 31. Minute auf 4:2. Es war genau die Art Vorsprung, die in einem Auswärtsspiel in einem Hexenkessel wie Memmingen die Tür zum entscheidenden siebten Spiel öffnen kann. Doch Deggendorf brachte diese Phase nicht durch – und genau darin lag der Knackpunkt dieses Abends: Trotz fünf eigener Tore reichten wenige defensive Aussetzer und zu viele Unterzahlsituationen, um das Spiel aus der Hand zu geben.

DSC-Prokurist Stefan Liebergesell fasste die Gefühlslage nach dem Spiel deutlich zusammen: „Im Moment tut es einfach nur weh, wir werden aber im nächsten Jahr wieder angreifen.“ Und mit Blick auf den Spielverlauf: „Die Spieler haben alles gegeben, wenn man in Memmingen fünf Tore schießt, muss man das Spiel eigentlich gewinnen.“

Memmingen dreht das Spiel – und Deggendorf antwortet noch einmal

Memmingen fand nach dem 2:4 über Special Teams zurück. Tyler Spurgeon verkürzte in der 34. Minute erneut im Powerplay – ein Signal, dass Deggendorf die Strafen in dieser Spielphase teuer bezahlte. Der Druck der Indians nahm zu, Deggendorf verlor für Minuten die klare Zuordnung. Dominik Meisinger glich in der 37. Minute zum 4:4 aus, Maximilian Menner drehte die Partie nur eine Minute später auf 5:4.

Doch auch das reichte noch nicht zur Vorentscheidung. Deggendorf schlug umgehend zurück: Petr Stloukal traf 34 Sekunden nach dem Memminger Führungstor ebenfalls im Powerplay zum 5:5 (38.). Nach 40 Minuten stand damit ein Spielstand, der die Serie insgesamt spiegelte: hohes Tempo, viele Umschaltmomente – und eine Effizienz, die jede kleine Nachlässigkeit sofort bestrafte.

Publikumsreaktion und Atmosphäre

Auf den Rängen verstärkte jeder Umschwung die ohnehin elektrisierte Atmosphäre. Mehr als 300 Fans aus Niederbayern waren nach Memmingen gereist, darunter auch Landrat Bernd Sibler und Oberbürgermeister Christian Moser. Während Memmingen im eigenen Stadion die letzte Hürde nehmen wollte, klammerte sich Deggendorf an die Chance, die Serie doch noch zurück an die „Festung an der Trat“ zu holen.

Die Entscheidung in der Overtime

Im Schlussdrittel fiel kein Treffer. Deggendorf überstand die Druckphasen der Hausherren, Memmingen fand trotz optischer Vorteile keinen Weg mehr vorbei am gegnerischen Goalie und einer aufopferungsvoll arbeitenden Defensive. Die Entscheidung musste in der Verlängerung fallen – und sie fiel in der 74. Minute.

Beim Siegtreffer existieren zwei unterschiedliche Zuschreibungen: In einer Torfolge wurde zunächst Brett Ouderkirk als Schütze geführt, im Spielbericht wurde das Tor jedoch Felix Brassard zugesprochen. Fest steht nach der Darstellung im Bericht: Brassard fälschte einen Schuss von Connor Blake entscheidend ab – das 6:5, das den Aufstieg besiegelte.

Als der Puck im Netz lag, brach in der Arena der Jubel los. Memmingen feierte den vierten Sieg der Finalserie und damit den sportlichen Aufstieg, auf den Rängen hallte der Ruf „Niemand siegt am Hühnerberg“. Auf Deggendorfer Seite überwog Leere. Liebergesell ordnete den Moment so ein: „Am Ende war es wirklich Glück.“

Für Memmingen endet eine torreiche, nervenaufreibende Serie mit dem Schritt in die DEL2. Für Deggendorf bleibt vor allem die Erkenntnis, wie nah die Tür zu Spiel sieben bereits offenstand – und wie schnell sie in einem einzigen, überhitzten Playoff-Abend wieder zufallen kann.

Häufig gestellte Fragen

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